Univ. Prof. Dr. Ulrich Jäger

Medizinische Universität Wien, Klin. Abt. für Hämatologie und Hämostaseologie, Univ.-Klinik Innere Medizin I

Medizinischer Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe

Bericht über den Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) (Atlanta, 8.–11. Dezember 2007)

Beim Kongress der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) wurden eine Reihe von neuen Erkenntnissen vorgestellt, die die Diagnose und vor allem Therapie der Lymphomerkrankungen im Jahr 2008 beeinflussen werden.


Weitere Berichte vom ASH-Kongress 2007


Morbus Hodgkin

Die Heilungsrate bei dieser Erkrankung beträgt für fast alle Untergruppen über 80% und kann daher nur mehr schwer gesteigert werden. Das Hauptproblem sind die Spätfolgen der Therapie (Herzerkrankung nach Bestrahlung, bösartige Erkrankung nach Bestrahlung und Chemotherapie). Ziel mehrerer Studien, die vorgestellt wurden, ist es nun, die Intensität und damit die Nebenwirkungen der Therapien zu mindern. Diese Ansätze wurden auf einem Symposium, geleitet von Prof. Sandra Horning aus Stanford, erörtert.


Follikuläre (niedrig maligne) Lymphome

Hier ist klar, dass durch den Einsatz von Antikörpern (Rituximab) für praktisch alle Erkrankungen dieser Gruppe Lebensverlängerung erzielt werden kann. Allerdings sind bereits neue, noch wirksamere Antikörper in Entwicklung, von denen wir erwarten, dass sie in etwa zwei Jahren allen Patienten zur Verfügung stehen werden. Viel versprechende, aber immer noch experimentelle Ansätze gibt es auf dem Gebiet der Krebsimpfung und der allogenen Stammzelltransplantation.


Mantelzelllymphom

Durch eine aggressive und umfassende Therapie der Mantelzelllymphome unter Einschluss neuer Medikamente kann man hier erstmals von Heilung für wenigstens einen Teil der Patienten sprechen.


Chronisch lymphatische Leukämie

Es wurde vor allem der Einsatz von Antikörpern bei der CLL diskutiert. Möglicherweise wird neben MabCampath, das ja schon jetzt eine Standardtherapie darstellt, auch Mabthera für die Erstlinientherapie zugelassen. Die autologe Transplantation dürfte nur für wenige Patienten wirkliche Vorteile bringen, da neuere Medikamentenkombinationen so hervorragend sind. Heilung ist allerdings nach wie vor nur von der allogenen Stammzelltransplantation zu erwarten, die immer noch ein großes Risiko birgt. Allerdings erwarten wir in den nächsten Jahren, dass die Erkrankung so gut kontrollierbar wird, dass sie aus einer unheilbaren Erkrankung in eine chronische Erkrankung (ähnlich dem Diabetes) umgewandelt werden kann. Da sind jetzt auch neue Medikamente für therapierefraktäre Erkrankungen verfügbar (Bendamustin, Revlimid, neue Antikörper wie Lumiliximab). Dem Thema Infektion bei CLL und familiäre CLL waren ebenfalls Symposien gewidmet.


Ausblick

Insgesamt ist die Therapie der Lymphome solider und besser geworden. Wir erwarten aber einen großen Verbesserungssprung durch neue Medikamente, die erst in klinischer Testung sind, in den nächsten 2 - 5 Jahren. Es würde für unsere Patienten sehr wichtig, das Angebot an Studien in unserem Land zu nutzen, die in allen großen hämato-onkologischen Zentren verfügbar sind.