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Univ. Prof. Dr. Johannes Drach
Medizinische Universität Wien |
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Inhaltsstoffe von „Grünem Tee“ können die Wirkung von Bortezomib (Velcade®) blockieren
Inhaltsstoffe von „Grünem Tee“ könnten eine Wirkung gegen Krebszellen besitzen, weshalb verschiedene Wirkstoffe derzeit auf diese Effekte untersucht werden. Ein jüngster Bericht mahnt allerdings zur Vorsicht vor dem unkritischen Gebrauch, insbesondere in Zusammenhang mit speziellen anderen Medikamenten. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus Los Angeles hatte zum Ziel, Inhaltsstoffe von „Grünem Tee“ auf ihre Anti-Tumorwirkung bei Myelom-Tumorzellinien zu prüfen. Dabei zeigte sich zur Überraschung der Wissenschaftler, dass bestimmte Polyphenole aus Grünem Tee die Wirkung von Bortezomib auf die Tumorzellen neutralisierten: Dies zeigte sich dadurch, dass der durch Bortezomib üblicherweise eingeleitete Zelltod bei den Krebszellen bei gleichzeitiger Gabe eines Polyphenols nicht auftrat. Weiterführende Untersuchungen zeigten, dass Bortezomib seine Wirkung am Proteasom nicht entfalten kann: Die inhibierende Wirkung von Bortezomib am Proteasom wurde durch die Polyphenole aufgehoben.
Die Autoren schliessen daraus, dass während einer Behandlung mit Bortezomib keine Einnahme von Grünem Tee erfolgen sollte (Golden EB et al., Blood 2009, 6. Februar).
Diese Untersuchung beruht natürlich auf Laborexperimenten, welche mit speziellen Myelom-Zellinien durchgeführt wurden. Es ist - wie immer – unmöglich festzustellen, inwieweit sich Laborergebnisse direkt auf den Menschen umlegen lassen. Dennoch sind diese Ergebnisse ernst zu nehmen, denn eine Blockade von Bortezomib am Proteasom unterbindet den grundsätzlichen Wirkungsmechanismus dieses Medikaments. Im übrigen ergänzen sich diese Beobachtungen mit anderen Befunden, dass zwischen „natürlichen“ Stoffen und Krebsmedikamenten unerwartete Wechselwirkungen auftreten können. Dies betrifft Johanniskrautpräparate in Zusammenhang mit diversen Chemotherapeutika (Wirkungsabschwächung) ebenso wie hochdosiertes Vitamin-C in Zusammenhang mit Bortezomib (ebenfalls Wirkungsabschwächung). In diese „Liste“ der zu meidenden Präparate sollte nun ebenfalls Grüner Tee aufgenommen werden.

